Bosch Hockenheim Historic 2012: Der Bericht

Alte Autos üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus, weil zu dem Lebensgefühl der Freiheit und der Individualität auf Wunsch auch noch die Komponente Sentimentalität mitgeliefert wird. Das erste Auto oder den damaligen Traum auf Rädern noch einmal live zu sehen, hören und vielleicht auch riechen zu können, bringt vielen, oftmals bereits angejahrten Fans die Erinnerung an die Zeit zurück, als man selbst noch jung und dynamisch war. Aber natürlich fühlen sich nicht nur die älterem Semester zum mobilen Kuturgut hingezogen, auch die U40-Generation weiß die pure und noch nachvollziehbare Technik, den Chrom, das Vinyl und die reine Lust am Objekt mit Geschichte und Patina zu schätzen. Oftmals sind die Autos älter als ihre Eigentümer. Wo sonst gibt es das noch in unserer konsumorientierten Wegwerfgesellschaft, wo das Neue schon per se besser, weil eben neu ist.

In diesem Zusammenhang ist sicher auch der Andrang zu erklären, der am Wochenende vom 11.-13. April auf den Hockenheimring stattfand. Die 20.000 zahlenden Gäste bekamen aber auch ein volles Programm geboten: Von morgens Früh bis zum späten Abend hörte man den Klang der Motoren (von Larm zu sprechen, wäre Blasphemie), sah die Renner aus den verschiedensten Epochen in ihrer jeweiligen Klasse um den Sieg fighten, konnte in der Boxengasse den Mechanikern auf die Finger schauen oder auch im proppevollen Fahrerlager sich kulinarischen, technischen oder optischen Genüssen hingeben.

Da das Hockenheim Historic den Zusatz „Jim Clark Revival“ im Namen führt und diesem legendären Rennfahrer mit einer Gedenkfeier samt Niederlegung eines Kranzes gedachte, an dieser Stelle eine Retrospektive:


(Quelle: Wikipedia)

Jim Clark war aktiver Formel 1-Rennfahrer in der Zeit von 1960 bis 1968 und konnte die Weltmeisterschaft gleich zweimal gewinnen: In den Jahren 1963 und 65. Aufgrund seiner Fahrweise und seines Talents wird er von vielen Top-Fahrern wie Jackie Stewart, Alain Prost und Ayrton Senna als Idol und Vorbild gesehen. Seine beeindruckende Karriere wurde jäh beendet, als er am 7. April 1968 im Wald von Hockenheim gegen einen Baum prallte, da es zu dieser Zeit noch keine Leitplanken gab. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Clark ).

Trotz dieses eher besinnlichen Moments herrschte beim Hockenheim Historic insgesamt eine heitere, lockere und entspannte Atmosphäre. Auch wenn es in den einzelnen Klassen teilweise um Einiges ging, hörte man im Vorstartfeld, in dem sich vor Beginn eines Rennens die Teilnehmer gemäß ihrer Startreihenfolge aufstellten, einige Scherze, Sprüche und viel Gelächter.

Kaum auf der Strecke, war der Spaß hingegen schnell vorbei. Es wurde kräftig Gas gegeben und um jede Position gekämpft. Dabei blieb es aber immer sportlich und fair und so kam es auch nur vereinzelt zu meist technisch bedingten Ausfällen.

Das Wetter trug ebenfalls seinen Teil zur guten Stimmung bei und es fiel zumindest am Samstag kein einziger Tropfen Regen. Nachdem die Sonne gegen Nachmittag dann aber hinter den Wolken verschwunden und das letzte Rennen absolviert war, lichteten sich die Reihen der Zuschauer leider sichtbar.

Was ganz besonders schade war, denn jetzt kam das Highlight des Tages auf die verbliebenen Zuschauer zugerollt: Der Weltrekordversuch in Form von mindestens 949 Oldtimern, die sich gleichzeitig auf der Strecke versammeln mussten. Ziel war „Das größte rollende Automobile Museum der Welt“ zu erschaffen und damit den bestehenden Rekord aus dem Jahre 2002, aufgestellt in Zandvoort, zu knacken und somit den Eintrag ins Guinnes Buch der Rekorde zu erreichen. Leider missglückte das Vorhaben zwar, weil „nur“ 815  Wagen den Weg nach Hockenheim fanden…

…aber was war das für ein Schauspiel: Autos aus allen Epochen, von den unterschiedlichsten Herstellern, Exoten, Unikate, Allerweltswagen, Feuerwehrautos, Straßenkreuzer, Wüstenbuggys, Dreiräder, Rennwagen, Rettungswagen, liebevoll gepflegte Sammlerstücke und weiterhin im Alltag genutzte Fahrzeuge… Sie waren einfach alle dabei und die Camera lief heiß, obwohl das Tempo der Kolonne eher Schrittgeschwindigkeit enstprach. Besonders hervorzuheben ist auch die Sinfonie der Hupen, die diese Wagen aus den verschiedenen Jahrzehnten gemeinsam zu erzeugen vermochten. Man hörte Mehrklangfanfaren, Polizei- und Feuerwehrsirenen, krächzende, jaulende und trötende Exemplare und das gleichzeitig.

Einfach herrlich. 🙂

Auch 2013 wird es wieder ein Bosch Hockenheim Historic geben und wenn man auch nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, sollte man sich diesen Event nicht entgehen lassen. Egal, ob das eigene Baujahr vor oder nach dem des persönlichen Traumautos liegt.

 

– Niels Kreischer
USED4.net

 

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