Bluebird Diaries Part 3

Oh wow, über drei Jahre ist der letzte Tagebucheintrag schon her. Das kann ja so nicht weitergehen, da muss man was machen.

Die im letzten Diary angekündigte Komplettlackierung ist zwar noch immer nicht passiert, dafür gab es aber einige Fehler und Probleme, die wir stattdessen angehen mussten. Aber fangen wir mal vorne an:

Für den TÜV im Jahr 2024 waren ein Radlager und eine Bremsleitung fällig, wir nutzten die Gelegenheit und verbauten gleich rundum Stahflex-Bremsleitungen von HEL:

TÜV geschafft, dann fiel auf plötzlich der Fahrer-Fensterheber aus, anscheinend hatte sich einer der Drähte verheddert.

Also stand der Bluebird wieder im Reparatur-Dock und wir zerlegten die Fahrertür samt Innenleben:

Grund des Defekts war eine abgerissene Umlenkrolle aus Kunststoff, die wir im Endeffekt mit etwas Spezialkleber erfolgreich reparieren konnten.

Den Bowdenzug haben wir im Anschluss gut gefettet (fehlende Schmierung war auch die Ursache für den Defekt) und schon rannte der Fensterheber nach dem Zusammenbau wieder wie eine 1.

(Auch den nicht funktionierenden Lautsprecher in der Fahrertür reparierten wir dabei gleich mit.)

Kaum lief alles wieder, sprang der Motor auf einmal nicht mehr an. Das gibts doch jetzt nicht.

Also das Radio ausgeschaltet, Zündung an, kurz gelauscht und schon war klar:

Benzinpumpe macht von jetzt auf gleich keinen Mucks mehr. Wie schade. Die Sicherung war es leider auch nicht, also musste die Pumpe selbst hin sein.

Was ein Glück, dass wir aus einem Teilekonvolut eines Nissanhändlers eine NOS-OEM-Bluebird-Benzinpumpe im Keller liegen hatten. Noch OVP und stolze 35 Jahre alt. Glück im Unglück, gibt es dafür ein besseres Beispiel?

(NOS = New Old Stock / OEM = Original Equipment Manufacturer / OVP = Originalverpackt)

Also das alte Stückgut ausgebaut und die „neue“ Pumpe reingezimmert: er sprang sofort an und brummte wie am Schnürchen!

Jedenfalls ein paar Wochen, bis er plötzlich wieder nicht wollte (Pumpe lief aber hörbar):

Also auf Verdacht mal die acht Zündkerzen (der CA20E hat Doppelzündung) erneuert, èt voila: der Vogel zwitscherte wieder wie eine brünftige Amsel.

Von dieser Aktion gibt es leider keine Bilder (macht beim Bluebird auch überhaupt keinen Spaß, die hinteren vier Kerzen zu tauschen), aber es passierte im gleichen Atemzug mit einer Grundreinigung des Motorraums, die ich hier mit einem Vorher/Nachher-Bild präsentieren möchte:

Ihr denkt, das war es schon an Fehlern und Reparaturen im Jahr 2024/25? Ach beileibe nicht… das undichte Glasdach (original NISSAN, also Dach, nicht die Undichtigkeit) bekam eine Tube durchsichtiges Silikon spendiert, das extra für solche Glasdächer und auch Scheinwerfer gedacht ist:

Seitdem ist das Dach dichter als Goethe und macht wieder richtig Spaß mit seiner elektrischen Verstellbarkeit und viel Frischluft. Überhaupt keine Freude erzeugte dagegen mein größter Ausrutscher, ebenfalls noch im selben Jahr 2024:

Als ich die Scheibenwischer gegen neue Balkenwischer tauschen wollte, beging ich den Anfängerfehler beim Wischertausch schlechthin und legte keine Pappe unter.

Ergebnis: Klack-Bumm-Krack:

Darauffolgende Anrufe bei den typischen Autoglaslieferanten in der Umgebung erzeugten entweder ehrliches Mitleid, absolutes Desinteresse oder teilweise sogar abfälligen Hohn (dieses Verhalten eines Dienstleisters werde ich wirklich niemals vergessen) und die Bestellung bei NISSAN Japan erschien aufgrund der Risiken und Transportkosten aussichtslos.

Also weiter gesucht und irgendwann die Seite der Firma Pilkington gefunden (Hersteller der OEM-NISSAN-Scheiben!), in deren Onlinekatalog man nach Modellen suchen konnte, in dem ich schließlich auch den Bluebird fand. Also direkt angeschrieben, zurückgerufen worden und per Mail eine neue Scheibe bestellt. Wahnsinn.

Lieferzeit der extra produzierten Scheibe bis zu einem Jahr, verfügbare Farben nur Klar oder Blau. Braun (wie in unserem Bluebird verbaut) gibt es nicht mehr neu, auch für andere Fabrikate nicht.

Also eine klare Scheibe geordert und nur vier Monate später im Pilkington-Werk Mainz in Empfang genommen, ich hätte sie mir auch liefern lassen können. Ein top Service und daher ein Tipp für alle Besitzerinnen und Besitzer eines exotischen Oldtimers, wie es der Bluebird mittlerweile ist:

Und kaum ein Dreiviertel Jahr später wurde die Scheibe dann im Bluebird durch Junited Autoglas in Darmstadt sehr gewissenhaft verbaut. Was für ein Tempo*, oder?

Eine neue Windschutzscheibe ist auf jeden Fall eine tolle Sache, sie gibt ein komplett frisches Fahrgefühl und tolle Sicht.

*Dass der TÜV im August 26 wieder fällig wurde, spielte bei der Tatsache, dass die Scheibe kurz vorher getauscht wurde, eine nicht unerhebliche Rolle.

Aber so war die HU/AU ’26 gestern kein Thema und der Birdy ist fit für neue Taten:

Vielleicht ja jetzt endlich die Komplettlackierung und die Tieferlegung?

Wir werden sehen… Sollte sich jemand von euch beim Lesen dieser Zeilen spontan verliebt haben und richtig viel Potential im Bluebird T72 Bj. 89 mit ~164tkm sehen, kann er sich gerne unter info@used4.net melden.

Wir wären unter Umständen bereit, den BB trotz oder gerade wegen der vielen Reparaturen und Neuteile, der vielen Arbeit und dem investierten Geld, einer neuen Besitzerin oder einem neuen Besitzer mit gutem Gewissen zu überlassen.

Aber bis dahin dürft ihr auf Bluebird Diaries 4 gespannt sein. Wir sind es ebenfalls.

Niels Kreischer – USED4.net und Yvonne Spilger – USED4.net