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Kurzfeature: Warum Historie nicht alles ist – eine Silvia S15, die Meinungen spaltet

Ich beschäftige mich, seit ich ein Kind bin, mit der Geschichte des Tunings in Japan, welches in den 1990er Jahren definitiv seinen Peak hatte. Die zu der Zeit schier riesige Auswahl an Sportwagen von Toyota, Nissan und Mazda ließ die Branche boomen. So entstanden zu der Zeit auch Fahrzeuge von vielen Shops, die demonstrieren sollten, wozu sie in der Lage sind. Die Democars von Top Secret oder VeilSide sind beinahe legendär, doch auch andere Tuner zeigten, was machbar ist.

So auch Endless R, die basierend auf der Nissan Silvia S15 mit einem SR20DET 4-Zylinder ein 900 PS Auto für Drag Racing bauten.

  Quelle: www.shirtstuckedin.com

 

 Quelle: www.autoevolution.com

Ich habe ein riesiges Herz für die Shopautos aus dieser Zeit und träume immernoch davon, einmal eines zu besitzen, um es nie zu verändern und einen Teil der japanischen Tuninggeschichte bei mir stehen zu haben. Viele der Fahrzeuge sind inzwischen exportiert, oder schlichtweg nicht mehr existent. Letzterer Fakt macht diese wenigen, verbleibenden Autos besonders wertvoll.

Umso genauer muss man nun hinschauen, um die S15 auf dem Bild unten zum einen hinter den ganzen Menschen zu sehen und sie zum anderen als das exakt gleiche Auto, wie oben auf den Bildern, zu identifizieren.

Nachdem ich diese Bilder im Internet gesehen habe, war ich also der Meinung, dass dies ein absolutes No-Go ist und fragte mich im gleichen Atemzug, wieso Menschen solche historischen Autos komplett umbauen. Die Antworten auf all meine Fragen erhielt ich vom super sympathischen Besitzer dieser Silvia.

“Ich war schon immer ein großer Fan von den Super Silhouette Autos von früher und wollte unbedingt mein eigenes haben.”, erzählte mir James. Als das entsprechende Liberty-Walk-Kit für die S15 auf den Markt kam, war klar: jetzt ist die Chance gekommen. Also hat er sich auf die Suche nach einer Silvia begeben und ist beim Importeur seines Vertrauens, Harlow Jap Autos, fündig geworden. Dort stand das gezeigte Fahrzeug zum Verkauf. Da bereits unglaublich viel Geld und Entwicklung in das Auto geflossen ist, James sich somit einiges sparen konnte und der Preis vor allem für die sehr geringe Laufleistung angemessen war, schlug er kurzerhand zu.

Auf meine Frage, warum er den Wagen nicht der Historie wegen im alten Trim gelassen hat, entgegnete James: “Weißt du, Drag Racing ist heutzutage doch mehr oder weniger tot. Mir hätte dieses Auto also, so wie es war, nichts genützt”. Die vorher montierten Drag Radials hätten zudem eine Straßenzulassung nicht möglich gemacht. Jetzt ist das Auto zugelassen und legal in Großbritannien. Lediglich das Lachgas musste dafür deaktiviert und ein Luftfilter installiert werden.

“Ich nutze das Auto jetzt manchmal für normale Fahrten und auch für Trackdays”. Mir verriet James außerdem, dass motor- und antriebsseitig alles unangetastet blieb. Lediglich das HKS F-Con Pro Engine Management ist ein Relikt aus vergangenen Tagen, welches niemand mehr mappen kann. Dieses soll somit in Zukunft weichen.

Im Innenraum kann man zum Teil noch Elemente aus der Zeit erkennen, in der das Auto in Japan in knapp 9 Sekunden Drag-Strecken bezwungen hat. Das meiste jedoch wurde auf die aktuellen Bedürfnisse und die äußerliche Super-Silouette-Rennwagen-Optik angepasst. Die Farben wurden sorgsam ausgesucht, um dem Auto zwar ein eigenständiges Design zu verleihen, dieses aber möglichst nah an alte Rennwagen-Beklebungen anzulehnen.

Das Luftfahrwerk, sowie kleine, optische Details verpassen der einzigartigen Silvia den finalen, optischen Feinschliff.

Identifizieren kann man die Endless S15 jedoch nach wie vor an den Stickern vergangener Events in Japan.

Empfand ich den Umbau des Autos noch vor meinem Ultrace-Besuch als absolutes Sakrileg, so verstehe ich jetzt nach dem ausgiebigen Gespräch mit James die Beweggründe und freue mich für ihn, dass er sich ein Auto bauen konnte, welches völlig seinen Bedürfnissen gerecht wird. Darum geht es ja irgendwie beim Tuning, oder?

Würdet ihr ein legendäres und bekanntes Auto für euch umbauen, oder für immer als Zeitkapsel behalten?

 

Text und Bilder:

 

Andy Kmoch – USED4.net