Godzilla attacks Germany – Philipp Berndt´s BNR32 Skyline Jan20

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Godzilla attacks Germany – Philipp Berndt´s BNR32 Skyline

 

Eigentlich ist es nicht korrekt, mit dem BNR32 zu beginnen.

Gab es doch in der Vergangenheit bereits legendäre GT-R, wie z.B. den Nissan 2000 GT-R Hakosuka KPGC10, von dem lediglich ab 1969 nur 1945 Stück gebaut wurden oder auch den Nachfolger ab 1973, der legendäre Kenmeri KGC110, von dem nur 197 Exemplare produziert wurden. Leider sind beide erwähnten Oltimer in Europa NOCH nicht vertreten, ich werde mich aber persönlich um dieses Problem kümmern 😉 ) Nach dem Auslaufen der KPGC10-Reihe sollte es aber erst einmal ruhig  um die GT-R´s werden. Zwar gab es zwischenzeitlich Schmuckstücke, wie den R30 „Ironmask“ DR30 RS-Turbo, mit einem 24V Reihensechszylinder, der ursprüngliche Mythos sollte aber erst 1989 wirklich wieder zum Leben erweckt werden und das gleich mit einem richtigen Paukenschlag: Im Mai des genannten Jahres präsentiert Nissan den Skyline GT-R der Modellreihe BNR32 und auf Anhieb dominiert dieser Wagen auf sämtlichen Rennstrecken der asiatischen Hemisphäre. So mauserte sich dieser GT-R zu einem Liebling der Fans. Kein GT von Nissan holte sich derart viele Titel wie der BNR32, der von seinen Gegnern ehrfürchtig Godzilla genannt wurde. Er wurde diesem Namen auch wirklich gerecht und verspeiste reihenweise die Tourenwagen der Liga.

Godzilla´s Herz war ein neues und außergewöhnlich kraftvolles, denn es kam zum ersten Mal der von Grund auf neuentwickelte RB26DETT zum Einsatz. Kenner, Liebhaber und Freunde japanischer Fahrzeuge bekommen weiche Knie und gleichzeitigen Speichelüberschuss bei dieser Zahlen- und Buchstabenkombination.

RB für Race Breed,

26 für den Hubraum,

D für DOHC,

E für Electronic Concentrated Control System,

TT für Twin Turbo.

Fast unverändert leistete das Triebwerk für die nächsten 14 Jahre in drei GT-R Generationen treue Dienste und verschaffte sich nicht nur bei den Fans Respekt. Trotz des Gentlemen Agreements der japanischen Fahrzeughersteller, das die Maximalleistung eigentlich auf 280 PS begrenzte, brannte das Triebwerk in der Regel satte 300-320 PS auf die japanischen Straßen. Zwei T25 Garett Lader befeuerten im Serientrimm die 2,6 Liter Hubraum und füllten die 6 Zylinder mit 0,78bar Ladedruck.

 

Damals schon mit der Allradlenkung Super HICAS und dem vollvariabel regelnden Allradsystem ATTESA E-TS ausgestattet, war er der modernste Sportwagen seiner Zeit auf dem Markt. Eine umfangreiche Serienausstattung, wie beispielsweise eine Klimaautomatik mit Sonnensensoren für angenehmeres Innenraumklima waren Serienausstattung, aber eben auch dank der Umstände Pflicht: Durch das knapp 1m lange 5-Gang Getriebe direkt unter der Mittelkonsole, das den o.g. Kräften des Twinturboaggregates standhalten musste, erzeugt der Skyline GT-R solch eine Hitze im Innenraum, dass man die Klimaautomatik schnell zu schätzen weiß. Deshalb wird sie auch nur beim Wunsch nach noch mehr  Sportlichkeit und weniger Gewicht entfernt. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,40 war für damalige Verhältnisse schon nicht wirklich niedrig (zum Vergleich: Rs13 hat einen cw-Wert von 0,30), ist aber dem umfangreichen Spoilerwerk geschuldet, das für massiven Abtrieb sorgt. Diese Aerodynamikfeatures übernahm er wie viele andere Teile komplett von der Motorsportvariante. Damit ist und bleibt der R32 weltweit eines der wenigen Fahrzeuge, bei dem die  Straßenversion den Rennwagen auf der Strecke optisch identisch war. Racing DNA 4TW!!!

Warum aber ein 20 Jahre altes Auto kaufen bei dem die schwierige Ersatzteilversorgung die kleinste Sorge ist? Für all diejenigen, die sich diese Frage jetzt stellen sollten und noch nicht von diesem Fieber gepackt sind, denen kann ich, als Besitzer solch eines Fahrzeuges, die Leidenschaft am besten erklären.

Zu mir wurde  einmal gesagt: „Suchst du ein sehr gutes Autobahnfahrzeug, mit dem du wirklich Meter machen kannst, dann kauf dir eine Supra. Suchst du ein Track Fahrzeug, mit dem du Bestzeiten auf den Rundkurs brennen kannst, dann entscheide dich für einen Mitsubishi Evolution oder einen Subaru STI. Willst du beides, dann nimm einen GT-R!“ Und Recht hatte er. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Skyline fahren zu dürfen. Welche einer Generation sei mal dahingestellt. Und auch wenn sich der Heckantrieb eines GTS-T oder GTT schön Quer anfühlt und viel Spaß macht, ist das Gefühl der permanenten Traktion eines GT-R einfach atemberaubend. Das Allradsystem und die Hinterachslenkung arbeiten mit der Gewichtsverteilung und dem Radstand so harmonisch zusammen, dass man jedes mal einen Schreck bekommt, wenn man auf den Tachographen schaut. Man fühlt es nicht. Ein Skyline GT-R fühlt sich gänzlich anders an als seine Artgenossen. Das Auto und der Motor sind eine Diva. Er will gut behandelt werden. Er benötigt Zeit, Hingabe und Ehrfurcht. Gibt man „Ihr“ das nicht, wird sie zickig und macht sich an das Geld. Ersatzteile sind rar und teuer. Es ist eine Berufung, Skyline fahren zu dürfen. Darum sei jeder gewarnt, der vor hat, sich aus reiner Prestigefrage solch ein Auto zuzulegen oder glaubt ein günstiges Modell aus England wäre „Best Bang for the Buck“. Denn ein Skyline bedeutet wesentlich mehr Fixkosten als ein STI, Evolution oder dergleichen! Ich will nicht behaupten, er bräuchte mehr Liebe…aber sicherlich mehr Achtung.

Es sei angemerkt, dass es mir bei meinem BNR32, nicht wie bei den meisten um Leistung, als Vielmehr um die vollste DNA dieses Fahrzeuges selbst ging. Seit meiner ersten Begegnung im Kindheitsalter mit diesem Fahrzeug wünschte ich mir eines aufgrund seiner Form, Proportionen und der Tatsache, dass dieses Fahrzeug kaum verbesserbar ist.

Bei meinem eigenen Modell handelt es sich um ein Grade 4 Fahrzeug aus Japan. Aus erster Hand und gänzlich unverbastelt erreichte einer der allerletzten BNR32 GT-R das Deutsche Festland. Von Baujahr 11.1994 bis zum 10.März 2011 stand das Fahrzeug auf japanischen Boden und kam (richtig gelesen) genau einen Tag vor dem Tōhoku-Erdbeben, der den Tsunami auslöste, auf das Schiff in Tokyo. Selbst stammte das Fahrzeug aus Kobe und kann durch optimale Klimaverhältnisse ein fast neuwertigen Zustand aufweisen. Nachdem das Fahrzeug endlich bei mir stand, wurden sämtliche Verschleißteile getauscht und Öl und Wasserpumpe durch Nismo Teile ersetzt. Es folgte ein Umbau der Auspuffanlage von Trust auf eine 5Zigen Catback und einem 100 Zeller Kat. Der Blitz Dual SBC wurde auf eine nachträglich gekaufte Mines Stage 1 ECU gemapped und bringt mit Auspuffanlage und Trust Intakt bei 0,8bar sehr haltbare 360PS. Wie bereits erwähnt, ist der Motor eine Diva und ich nehme mir dieses Original nur schweren Herzens ernsthaft zur Brust. Dennoch wartet bereits ein 2. RB26 auf einen vernünftigen Aufbau, so dass mir der Originalmotor erhalten bleibt und ich auch bei einem Ausfall stets einen fahrfertigen BNR32 zur Verfügung habe. Denn GT-R Fahren macht süchtig und man kann nicht mehr ohne. Dazu aber noch kurz angemerkt, entlastet er auch die Taschen und das Portemonnaie. Aber was tut man nicht alles für dieses Privileg.

Der Innenraum behielt soweit möglich seinen Originallook. Auch wenn Plastik im Cockpit dominiert, fühlt sich alles sehr wertig an. Kein Klappern und Dröhnen und auch sieht im Gegensatz zu vielen modernen Fahrzeugen aus Deutschland das Interior auch noch nach über 18 Jahren neuwertig aus. Die einzige Schandtat des Vorbesitzers, wilde Kabel, wurde behoben und so wurde der Blitz Dual SBC und PowerMeter sowie der Greddy Turbotimer und  die Ladedruckanzeige gleichen Herstellers sauber angebracht. Durch Glück und einen Freund kam ich in den Genuss eines echten Bride Brix Sitzes aus den 90er Jahren, die sich perfekt in das Interior des GT-R integrieren.

Optisch wurde am GT-R wenig bis gar nichts verändert, um seine DNA möglichst zu schützen. Er steht auf 18×9,5J Felgen rundum, die mittels Password JDM Lugnuts an den Naben gehalten werden. Gefedert wird das ganze über ein 32 Stufen verstellbares K-Sport im Super Low Down Modus. Das Fahrverhalten wird demnächst noch durch eine Wilwood 4 Piston Superlite positiv unterstützt. Auch warten noch Originale Nismo N1 Front Vents aus Carbon auf ihren Einsatz, den Ladeluftkühler mit etwas mehr kalter Luft zu versorgen.

 

Es wird sicherlich eine unendliche Geschichte bleiben im Aufbau und immer etwas zu tun geben an meinem Fahrzeug.

Getrieben auf optische Perfektion, stellt dieses Auto meinen wahrgewordenen Traum dar.

Ein mit Respekt behandeltes Stück japanische Motorsportgeschichte.

Am Schluss sage ich noch Danke an meine Freundin, die mir mit viel Verständnis und geteilten Interesse stehst zur Seite stand und mich immer unterstützt hat. Danke Natalia! Auch bedanke ich mich bei meinen Freunden sowie Streetstylez und Kaido-Autosport!

Text und Bild

Philipp Georg Berndt

 

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